Sicher­heit durch Video­über­wa­chung

Ange­sichts der letz­ten Ter­ror­an­schlä­ge ist damit zu rech­nen, dass auf­grund des erhöh­ten Schutz­be­dürf­nis­ses in der Öffent­lich­keit eine stär­ke­re Kon­trol­le statt­fin­det. So nimmt bereits seit eini­ger Zeit die Zahl der Video­über­wa­chun­gen in der Öffent­lich­keit zu.

Sicher­heit durch Video­über­wa­chung

Jeder Bür­ger hat nach Art. 8 der EU-Grund­rech­te­Char­ta – wie auch nach Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG – das Recht, selbst zu ent­schei­den, wann und inner­halb wel­cher Gren­zen per­sön­li­che Lebens­sach­ver­hal­te offen­bart wer­den. Die­ses Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung kann nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch [1] das Ver­hal­ten des Ein­zel­nen in der Öffent­lich­keit beinhal­ten und durch die auto­ma­ti­sche Daten­er­fas­sung einen Ein­griff in den vom Schutz­be­reich des Grund­rechts erfass­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Infor­ma­ti­on dar­stel­len.

Aller­dings kann die­ser Ein­griff gerecht­fer­tigt sein: Über­wiegt das All­ge­mein­in­ter­es­se, hat der Bür­ger den Ein­griff in sein Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung hin­zu­neh­men. Vorraus­set­zung ist das Vor­lie­gen einer ver­fas­sungs­mä­ßi­gen gesetz­li­chen Grund­la­ge nach Art. 2 Abs. 1 GG unter Berück­sich­ti­gung des rechts­staat­li­chen Gebots der Bestimmt­heit und dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit [2]. Eine sol­che Schran­ke des Grund­rechts kann bei § 21 Abs. 2 PolG vor­lie­gen, so dass die Video­über­wa­chung des Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hofs nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart [3] gerecht­fer­tigt sein kann. Ähn­lich hat es das Bun­des­ver­wal­tungs­g­richt im Fall der Video­über­wa­chung auf der Ree­per­bahn in Ham­burg gese­hen. Wird die Video­über­wa­chung nach dem Ham­bur­gi­schen Gesetz über die Daten­ver­ar­bei­tung der Poli­zei zur Gefah­ren­ab­wehr und Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge ein­ge­setzt, ist der damit ver­bun­de­ne Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gerecht­fer­tigt [4].

Hat eine Pri­vat­per­son die Absicht, eine Video­ka­me­ra zu instal­lie­ren, müs­sen eini­ge Vor­schrif­ten beach­tet wer­den. Da ist es durch­aus sinn­voll, sich für die tech­ni­sche Umset­zung an einen erfah­re­nen Fach­be­trieb wie z. B. Tyco zu wen­den. Beson­ders zur Abschre­ckung als auch zur Auf­klä­rung von Straf­ta­ten kann eine Video­über­wa­chung von Vor­teil sein. Dar­über hin­aus wird das Arbeits­um­feld siche­rer und der Schutz von Kun­den und Mit­ar­bei­tern wird erhöht. So sind bestimm­te Unter­neh­men und Geschäf­te mehr als ande­re betrof­fen (z. B. Super­markt, Bank). Außer­dem ist in eini­gen Bran­chen eine Video­über­wa­chung vor­ge­schrie­ben. In den Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten für Spiel­hal­len, Spiel­ca­si­nos und Auto­ma­ten­sä­le von Spiel­ban­ken vom 1. April 1997 (BGV C 3) ist eine Video­über­wa­chung für die Betriebs­räu­me aus­drück­lich Pflicht. Auch das Gesetz über die Zulas­sung öffent­li­cher Spiel­ban­ken in Ber­lin (SpBG) legt in § 10a Abs.1 Satz 1, Abs. 3 fest, dass eine lau­fen­de video­tech­ni­sche Auf­zeich­nung und Spei­che­rung der hier­durch erwor­be­nen Daten in den in der Vor­schrift genann­ten Räu­men durch­ge­führt wer­den muss. Dabei kann nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts die Mit­be­stim­mung des Betriebs­rats nach § 87 Abs. 1 BetrVG bei der Video­über­wa­chung ein­ge­schränkt wer­den [5]. Hat der Arbeit­ge­ber kei­nen Gestal­tungs­spiel­raum, kann der Betriebs­rat nicht auf­grund sei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts eine ande­re Rege­lung ver­lan­gen.

  1. BVerfG, Beschluss vom 23.02.2007 – 1 BvR 2368/​06, NVwZ 2007, 688 ff.;Urteil vom 11.03.2008 – 1 BvR 2074/​05, DVBl 2008, 575 ff.[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 23.02.2007 – 1 BvR 2368/​06[]
  3. VerwG Stutt­gart, Beschluss vom 20.02.2012 – 5 K 89/​12[]
  4. BVerwG, Urteil vom 25.01.2012 – 6 C 9.11[]
  5. BAG, Beschluss vom 11.12.2012 – 1 ABR 78/​11[]