Uni­ons­recht und der „effet direct“ – 50 Jah­re „Van Gend & Loos“-Urteil

1963 ver­kün­de­te der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten – der heu­ti­ge Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – sein Urteil in Sachen „Vand Gend & Loos“, in dem der Euro­päi­sche Gerichts­hof urteil­te, dass das Recht der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten unmit­tel­ba­re Wir­kung zuguns­ten von Bür­gern und Unter­neh­men ent­fal­tet. Seit­dem – seit nun­mehr 50 Jah­ren – kön­nen sich damit sowohl ein­zel­ne Bür­ger wie auch Unter­neh­men auch vor den Behör­den und Gerich­ten der Mit­glieds­staa­ten unmit­tel­bar auf das euro­päi­sche Uni­ons­recht beru­fen.

Uni­ons­recht und der „effet direct“ – 50 Jah­re „Van Gend & Loos“-Urteil

Mit dem Urteil „Van Gend & Loos“ beant­wor­te­te der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten eine von einem nie­der­län­di­schen Gericht, der Tarief­com­mis­sie, zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­te Fra­ge. Die­ses Gericht hat­te über einen Rechts­streit zwi­schen dem nie­der­län­di­schen Trans­port­un­ter­neh­men Van Gend & Loos und der nie­der­län­di­schen Finanz­ver­wal­tung wegen Zöl­len zu ent­schei­den, die das Unter­neh­men bei der Ein­fuhr von Waren aus Deutsch­land in die Nie­der­lan­de ent­rich­ten muss­te. Das Trans­port­un­ter­neh­men mach­te gel­tend, dass der ange­wand­te Zoll gegen die Rege­lung des EWG-Ver­trags ver­sto­ße, wonach die Mit­glied­staa­ten in ihren gegen­sei­ti­gen Han­dels­be­zie­hun­gen die Zöl­le nicht erhö­hen durf­ten. Die Finanz­ver­wal­tung war dage­gen der Ansicht, dass sich das Unter­neh­men nicht auf die­se Rege­lung beru­fen kön­ne, weil sie nur eine Ver­pflich­tung gegen­über den ande­ren Mit­glied­staa­ten schaf­fe.

In sei­nem Urteil stell­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof mit dem Grund­satz der unmit­tel­ba­ren Wir­kung („effet direct“) einen der tra­gen­den Grund­sät­ze des Rechts der Euro­päi­schen Uni­on auf.

Nach die­sem Grund­satz schafft das Uni­ons­recht nicht nur gegen­sei­ti­ge Ver­pflich­tun­gen zwi­schen den Mit­glied­staa­ten, son­dern erzeugt zuguns­ten der Bür­ger und Unter­neh­men unmit­tel­ba­re Wir­kun­gen, indem es ihnen indi­vi­du­el­le Rech­te ver­leiht, die die natio­na­len Behör­den und Gerich­te zu beach­ten haben.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 5. Febru­ar 1963 – 26/​62 [Van Gend & Loos/​Niederländische Finanz­ver­wal­tung]