Ver­fah­rens­aus­set­zung bei lau­fen­dem EuGH-Vor­aben­schei­dungs­ver­fah­ren

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Ver­fah­rens­aus­set­zung in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 148 ZPO – auch ohne gleich­zei­ti­ges Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – grund­sätz­lich zuläs­sig, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits von der Beant­wor­tung der­sel­ben Fra­ge abhängt, die bereits in einem ande­ren Rechts­streit dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 267 AEUV vor­ge­legt wur­de [1].

Ver­fah­rens­aus­set­zung bei lau­fen­dem EuGH-Vor­aben­schei­dungs­ver­fah­ren

Die Ent­schei­dung, den Rechts­streit aus­zu­set­zen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 148 ZPO vor­lie­gen, steht im Ermes­sen des Gerichts [2].

Abzu­wä­gen waren damit im hier ent­schie­de­nen Streit­fall das Inter­es­se der Klä­ge­rin an einer zeit­na­hen Ent­schei­dung und das Inter­es­se der Beklag­ten, nicht auf­grund des Ver­sto­ßes gegen eine Norm, die mit dem Pri­mär­recht der Euro­päi­schen Uni­on nicht ver­ein­bar ist, zur Unter­las­sung ver­ur­teilt zu wer­den, und das Inter­es­se, wider­sprüch­li­che Ent­schei­dun­gen zu ver­mei­den. Eine Ver­fah­rens­aus­set­zung bis zur Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hat durch ein letzt­in­stanz­li­ches Gericht zu erfol­gen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, unter denen es ohne die Ver­fah­rens­aus­set­zung zu einer Vor­la­ge nach Art. 267 AEUV ver­pflich­tet wäre. Das ist vor­lie­gend nicht der Fall. Auch aus ande­ren Grün­den sieht der Bun­des­ge­richts­hof für eine Ver­fah­rens­aus­set­zung kei­nen Anlass.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2016 – I ZR 67/​14

  1. BGH, Beschluss vom 24.01.2012 – VIII ZR 236/​10, RIW 2012, 405 Rn. 8; Beschluss vom 31.05.2012 – I ZR 28/​10, Rn. 5, juris; Beschluss vom 06.02.2013 – I ZR 126/​11, Rn. 8, juris; Beschluss vom 11.04.2013 – I ZR 76/​11, ZUM-RD 2013, 633 Rn. 5[]
  2. BGH, Urteil vom 18.09.2014 – I ZR 228/​12, GRUR 2014, 1101 Rn. 17 = WRP 2014, 1314 – Gel­be Wör­ter­bü­cher[]